Was zahlen Kunden in Afrika pro Kilowattstunde Strom aus einer Africa GreenTec Anlage?

Investor Manfred G. möchte wissen:

Was AGT macht und warum ist klar. Was für mich nicht nachvollziehbar ist, ist das AGT Geschäftsmodell. Wie wird Geld verdient? Für Menschen außerhalb der AGT Box ist - und das ist sicher ein von Vorurteilen und Unkenntnis geprägtes Bild - völlig unklar, wie in Afrika mit Stromverkauf aus einem teuren Photovoltaik-Speicher-Container-System an einkommensschwache Menschen Geld verdient werden kann?

Hallo lieber Manfred,

erstmal danke für das Feedback. Es hilft uns zu verstehen wie manche auf die Fundingseite gucken und wie stark weiterhin die „Vorurteile“ über Afrika eine klare Kommunikation erschweren.

Wir hatten eigentlich erwartet alle Fragen auf der Funding-Seite zu klären. Wie erwirtschaftet Africa GreenTec Einnahmen wird auf dem Reiter „Businessplan“ ganz oben als Erstes erklärt.

„Die Africa GreenTec AG entwickelt, fertigt und installiert Solartainer® in afrikanischen Dorfgemeinschaften, die nicht an das staatliche Stromnetz angeschlossen sind. Außerdem werden das Projektmanagement, die Sensibilisierung und Ausbildung vor Ort sowie der Aufbau der Mini Grids von der Africa Greentec AG und ihren Tochtergesellschaften durchgeführt. Für den Betreiber finanziert sich seine Investition durch den Stromverkauf an die Kunden vor Ort.

  • Die Tarifmodelle richten sich sehr stark nach den einzelnen Regularien in den Ländern, in einem liberalisierten Markt gibt es ein mehrstufiges Tarifsystem, welches sowohl eine Grundgebühr als auch einen Preis pro kWh hat.
  • In Mali haben wir ein fünfstufiges Tarifmodell, die variablen Kosten liegen tagsüber bei 22 Cent und abends bei 38 Cent. Je nachdem welche Strommenge du ziehen willst, zahlst du zwischen 3 € und 15 € pro Monat
  • Ein gewerblicher Kunde spart so ca. 60% an Stromkosten, wenn er bei uns einen Gewerbetarif bucht im Vergleich zu den Dieselausgaben für einen entsprechenden Generator.
  • Wir sind keine Armutsbekämpfer, unser Geschäftsmodell richtet sich an die Kleinunternehmer im ländlichen Raum, also an Leute die selbst wiederum mit Strom Produkte und Dienstleistungen anbieten, Beschäftigung schaffen, so entsteht Wachstum und ein gewisser Wohlstand im Dorf

Wie freuen uns über weitere Fragen.

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Hallo Thorsten,

Vielen Dank für deine Erläuterung. Ich habe eine Follow-Up frage. Sie ist nicht 100% passend zu dem Thread, aber sie geht in die gleiche Richtung, deswegen denke ich, dass sie hier gut hin passt. Bei Bedarf kann ich sie auch nochmal separat posten.

Obwohl ich weite Teile der Seite gelesen habe ist mir immer noch nicht 100% klar welchen Teil der Wertschöpfung ihr jetzt konkret übernehmt. Die komplette Wertschöpfung besteht (wie ich das sehe) vermutlich ungefähr aus diesen Teilen:

  • Herstellung der Grund-Komponenten (Solar-Panel, Batterie, Container)

  • Herstellung des Solartainers (Hardware & Software)

  • Montage des Containers (Logistik, Anschluss)

  • Projektmanagement (Order-to-Delivery)

  • Vertrieb des Stroms

  • Wartung Containers

Es ist mir klar, dass ihr keine Grund-Komponenten herstellt, und es ist denke ich auch klar, dass ihr die Herstellung des Solartainers und dessen Montage übernehmt. Das ihr das dazugehörige Projektmanagement übernehmt schreibst du ja in dem Post. Die Logistik wird vermutlich zugekauft.

Wo ich verwirrt bin ist die Frage wer den Solartainer dann letzten Endes betreibt. Also wer ist der „Betreiber“ des Solartainers und wem gehört der Solartainer rechtlich?

Gehört er einem dritten (z.B. der Dorfgemeinschaft oder dem Kleinunternehmer)? Dann würden die Einnahmen vom Strom vermutlich an ihn/sie gehen und er/sie die Wartung übernehmen, oder? Die Aussage, dass Dorfgemeinschaften ein Aufstellen ggf. mit Hilfskrediten finanzieren würde den Solartainer als Ganzes mit einschließen.

Gehört er euch (z.B. der Landesgesellschaft)? Dann würdet ihr vermutlich auch die Wartung übernehmen aber dafür die Einnahmen von den Stromtarifen bekommen. Die Aussage, dass Dorfgemeinschaften ein Aufstellen ggf mit Hilfskrediten finanzieren würde die Logistik und Platzierung übernehmen und der Solartainer würde rechtlich bei euch bleiben.

In Variante 1 seit ihr „nur“ sehr kompetenter Hersteller. Der Vorteil ist dass ihr sobald ein Projekt abgeschlossen ist kein Risiko mehr habt und früh Gewinne realisieren könnt. Die Projekte als solches wären aber recht teuer, was die Adoption hemmen würde.

In Variante 2 seit ihr praktisch eine „Utility“ wie RWE ( oder besser EWS :wink: ). Der Nachteil ist, dass ihr erstmal gehörig in Vorkasse treten müsst und vermutlich erst nach Jahren einen Break-Even-Point erreicht. Solltet ihr den Break-Even-Point jedoch erreichen steht ihr aufgrund der Natur von Solar allerdings vor einem extrem geilen Cash-Flow der das Ganze potenziert. Zu dem (vermutlich) langen Atem müsstet ihr auch entsprechend das Risiko Managen, dass Container aus verschiedensten Gründen ausfallen oder eure Kunden ihre Bonität verlieren.

Nachdem ich das geschrieben habe vermute ich das ihr eher Variante 2 gewählt habt, da es durch die niedriegeren vorab-Kosten für eure Kunden vermutlich früher mehr Impact erzeugen kann. Das heißt aber für mich als potentieller Investor auch, dass ich mich dafür interessiere was eure Burn-rate/euer Cash-Flow ist, um abzuschätzen wie wahrscheinlich es ist, dass ihr den Break-Even-Point tatsächlich erreicht.

Viele Grüße,

Thorsten

PS: Falls du nach dem Text jetzt denkst „ein Spendensiegel bekommen und zeigen ist einfacher“ tut es mir leid :wink:

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Hallo Thorsten,

danke für diese wichtige und spannende Frage, tatsächlich haben wir uns für den härtesten und schwersten und somit auch risikoreichsten Weg entschieden ein dezentraler, privater, kommunaler Energie-, Wasser- und Kühlkettenversorger in Afrika zu sein. Wir sind übrigens nach meinem Wissen der Einzige.

Die meisten (afrikanischen) Länder haben eine Utility, die dem Staat gehört und somit auch ein Strommonopol. Wir haben in den letzten Jahren in vielen Ländern in denen wir arbeiten auch mit an der Regulierung mitgewirkt, in manchen Ländern sogar an den Gesetzen zur Energieversorgung im ländlichen Raum mitgeschrieben.

Zu deinen anderen Bemerkungen bzw. „Hersteller“ muss ich ein wenig ergänzen. Sehr viel Technologie entsteht in unserem Untrnehmen, zwischenzeitlich entwickeln wir auch Impactproducts komplett selbst, produzieren dann natürlich auch oft bei einem Hersteller, Beispiele hierfür sind unsere Streetlights oder auch unsere Kühlschränke.

Bei den größeren Solaranlagen verwenden wir natürlich Komponenten führender Hersteller zB. Module, Wechselrichter. Speicher gibt es aktuell aufgrund der 2nd Life Entwicklung auch eigene Entwicklungen, wo wir dann tatsächlich auch mit Partnern selber Speicher bauen.

Hier ein kleiner Überblick über die Wertschöpfungstiefe von Africa GreenTec.

Wenn du weitere Fragen hast, meld dich gerne.

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Hi Thorsten. Geht der Solarcontainer irgendwann einmal in den Besitz der „Dorfgemeinschaft „über. Bezahlt das Dorf also den Container mit der Zeit ab ?

Hallo Michael,

das ist von Land und von Modell zu Modell verschieden, je nachdem wer die Anlage „finanziert“ hat. Wir haben Projekte bei denen wir das Asset (die Solaranlagen) selbst besitzen und gleichzeitig auch Operator (also Betreiber) sind und zum Teil sogar der Investor.

Bisher ist in den meisten Ländern das Eigentum einer Kommune an elektrischen, technischen Produktionsanlagen nicht direkt möglich.

In vielen Fällen wird jetzt aber BOT (Build - Operate and Transfer) umgesetzt, dann gehen die Anlagen nach einer gewissen Zeit des Betriebs und nach erfolgter Abschreibung an den Staat oder den staatlichen Energieversorger über.

Danke für die Insights! Ich hätte eine Follow-Up-Frage zum BOT-Konzept:
„In vielen Fällen wird jetzt aber BOT (Build - Operate and Transfer) umgesetzt, dann gehen die Anlagen nach einer gewissen Zeit des Betriebs und nach erfolgter Abschreibung an den Staat oder den staatlichen Energieversorger über.“

Gibt es zum Weiterbetrieb über lokale Stromversorger bzw. Staaten schon Erfahrungswerte? Bzw. welche Strategien werden für den dauerhaften Betrieb/die Sicherstellung des Weiterbetriebs (ich denke an capacities für Wartung, technischen Betrieb, Integration ins lokale Portfolio etc.) nach Übergang in lokalen Besitz verfolgt?
VG Catharina