Nächster ImpactToken CO2-Zertifikat für abgeschaltete Dieselgeneratoren

Hallo @3f_HHAltona

in dem Kontext auch sehr spannend der folgende Artikel:

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Hallo ihr lieben,
auch wenn es in diesem Thema schon etwas still geworden ist, möchte ich nochmal kurz meine Skepsis äußern, die sich hauptsächlich auf die Doppelanrechnung bezieht. Es wurde zwar schon erwähnt, ich möchte es nochmal aufgreifen, nicht nur im streng rechtlichen Sinne, sonder auch im moralischen:
Ich kann gut nachvollziehen, dass die Zertifikatsmärkte eine verlockende und willkommene Kapitalquelle sind. Dahingehend wäre es auch blöd diese nicht zu nutzen, wenn sie helfen weitere Projekte zu finanzieren.
Ein Problem sehe ich allerdings darin, dass sich AGT, wenn es die Rechte am eingesparten CO2 abgibt, nicht mehr damit brüsten kann, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Sobald dieser Impact (als Zertifikat an Institutionen oder als Token an die Community) verkauft wird, geht der Impact auf das Konto des Käufers. AGT hingegen tritt das „Recht“ diesen als eigene Errungenschaft darzustellen ab. Damit sollte dann streng genommen nicht mehr damit geworben werden, dass AGT durch die Projekte zum Klimaschutz beiträgt, das dürfen dann nur noch die Käufer dieses „Rechts“ für sich beanspruchen.
Gleiches gilt meiner Meinung nach übrigens auch für die kürzlich gestarteten Impact Token. Wenn der gesamte soziale Impact tokenisiert und verkauft wird, ist AGT streng genommen kein Sozialunternehmen mehr. Der soziale Impact ist dann ausschließlich den Inhabern der Token anzurechnen.

PS: Ich hoffe das klingt für meinen ersten Beitrag hier nicht zu negativ :smiley:

Beste Grüße aus dem verschneiten Jena, Simon

Danke für das Teilen Deiner Gedanken dazu.

Ich teile Deine Bedenken nur teilweise. Zum einen beziehen sich die ImpactToken allein auf ein Dorf und nur auf das Jahr 2022. AfricaGreenTec müsste von vielen Dörfern und auch für viele der Vorjahre Token verkaufen, um Gefahr zu laufen, dass der Status als Sozialunternehmen ins Wanken geraten könnte.

Allerdings kommuniziert auch @Klimakrieger, dass die Änderungen im Geschäftsmodell seinem Sozialunternehmerherz schmerzen. Es ist also nachvollziehbar, das zu hinterfragen.

Zu den ImpactToken, um die es hier geht. Nehmen wir das Beispiel der Ziegelei La Fabirque. Da bekommen wir als Investoren satte 7 % Zinsen. Das ist eine Geldanlage, die keine „Aufwertung“ mit Klimaschutzimpact braucht. Der Kapitalmarkt ist in weiten Teilen schlicht nicht bereit auf Zins/Einnahmen zu verzichten für CO2-Einsparungen.

Beides zu trennen ist ein logischer Schritt. Den Investoren gibt man Zinsen und denen die dafür bezahlen wollen gibt man echte ImpactToken. Das ich mir als Investor dann nicht auch noch die eingesparten Emissionen zurechnen kann, ist für mich völlig ok. Das gesamte Unternehmen mit der Summe der Aktivitäten bleibt gleichwohl noch ein Unternehmen, dass den Klimaschutz aktiv voran treibt. Wer realisiert den ansonsten solche Leuchtturmprojekte?

Ich bin diesbezüglich Opportunist. Können weitere Einnahmen erzielt werden, um das Abschalten weiterer Dieselgeneratoren zu beschleunigen, dann unterstütze ich das voll und ganz. Das treibt den Klimaschutz stärker und schneller voran.

Beste Grüße aus dem verschneiten Ammersbek, Sönke

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Vllt kann man ja auch ein projekt „zweiteilen“ einmal normale Zinsen und CO² zertifikate extern verkaufen und einmal mit geringeren Zinsen dafür mit CO² Zertifikaten.(oder zumindestens einem teil der CO² Zertifikate).

Weil ich die Investents auch wegen der CO² Einsparung mache, die ich dann ja rein rechtlich nicht mache.
Auch wenn die CO² Einsparung und deren Zertifikate ohne das Finanzierte Projekt auch gar nicht erst entstehen würde.

Was wäre der Zins unterschied bei La Fabirque mit CO² Zertifikaten ca. ?

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Das lässt sich glaube ich gar nicht so genau beziffern. Denn beim Projekt „La Fabrique“ hat man sich erst sehr spät dazu entschieden die CO² Einsparung separat zu verkaufen. Die 7 % Zinsen sind für ein Sozialunternehmen aber schon eher höher angesiedelt.

Ein gutes Beispiel für ein Projekt mit einem größeren Fokus auf Impact ist die Finanzierung von „Zwei SOLARBAKERYs für Impact Sites im Senegal“ auf Crowd4Climate: Investment Zwei SOLARBAKERYs für Impact Sites im Senegal | Crowd4Climate
Der Zinssatz hier beträgt 5,5 %. Vielleicht also ein passender Invest für dich?

Sehr spannend fand ich auch die Idee eine ImpactSite durch die Community mit einem Minimalzinssatz von beispielsweise 2,5 % zu finanzieren: Gemeinsam eine ImpactSite finanzieren? - Was wäre dazu nötig - Community-Diskussion - #44 von soebe

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Hallo Simon,

noch einige Gedanken zum Thema „ist AGT noch ein Sozialunternehmen wenn der Impact tokenisiert und verkauft wird“?
Mit der gleichen Logik wäre ja eine Hilfsorganisation keine Hilfsorganisation, weil nur die Spender den Impact finanzieren. Und trotzdem hast du meiner Meinung nach zum Teil Recht. Weder AGT noch eine klassische Hilfsorganisation können sich den ganzen Ruhm zuschreiben, sondern eigentlich nur den qualitativen/ quantitativen Unterschied zu einer anderen Organisation, die mit den gleichen Ressourcen arbeiten könnte. Ein einfacheres Beispiel ist eine Ärztin: Wenn sie am Tag fünf lebensrettende Operationen durchführt kann sie sich eigentlich nicht fünf gerettete Leben zuschreiben, sondern nur den Unterschied zu einer anderen Ärztin, die ihre Stelle genauso hätte besetzen können. Mit solchen Gedankenspielen beschäftigt sich der „Effektive Altruismus“.
Wenn ich also AGT 1000 Euro für CO2-Eibsparung gebe, ist der Verdienst von AGT der zusätzlich generierte Impact im Vergleich zu einer anderen Organisation, denen ich die 1000 Euro auch hätte geben können.
Die Tokenisierung von CO2-Einsparung und social Impact suggeriert jetzt natürlich, dass durch die Messung alles völlig vergleichbar ist. Eine gesparte Tonne CO2 ist eben eine Tonne. Ich glaube das aber nicht, auch hier spielt Qualität eine Rolle, etwa in Bezug auf Nachhaltigkeit der Einsparung, gleichzeitigem social Impact als Nebeneffekt, Empowerment durch Handeln auf Augenhöhe usw…

Grüße aus dem verschneiten Naumburg, nicht weit von Jena :slight_smile:

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Hallo Simon, hallo Damaris,

danke für eure Beiträge und Gedanken dazu. Mein erster Gedanke führte auch in Damaris Richtung und gern gehe ich damit einen Schritt weiter in dem Gedankenspiel.

Theoretisch darf gar kein Unternehmen sich als Sozialunternehmen oder CO2 Senker bezeichnen, wenn es nach deiner Theorie geht, Simon. Denn alle Unternehmen müssen Einnahmen erzielen und verkaufen Produkte. Bei einem nachhaltigen Stromanbieter wären auch die Kunden, die für den Strom bezahlen die Impactträger, bei der genannten Ärztin die Krankenkassen bzw. deren Mitglieder, da die Ärztin auch für Ihre Leistung bezahlt wird.

Wichtig ist doch, wie man seine Wertschöpfung kanalisiert. Wir bleiben bei den Beispielen: Die Token und deren Käufer setzen ja nicht das Projekt um und finanzieren es auch niemals voll, sondern lediglich einen Anteil daran. Die Ärztin nutzt ihre Schaffenskraft für Herz-OPs statt für die Forschung an Biokampfstoffen.

Was ich sagen will: Ein Sozialunternehmen macht nicht aus, wie und wie viele Investments generiert werden, sondern dass dies im Sinne eines positiven Impacts erfolgt und vor allem auch ehrlich und transparent.

Liebe Grüße gerade aus Halle (auch nicht weit von Jena)
Jörg :slight_smile:

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Das war natürlich nur ein Gedankenspiel für das Extremszenario, dass der gesamte Impact tokenisiert wird, um das Prinzip zu verdeutlichen.

In meinen Augen muss man aber deutlichen unterscheiden, ob man sagt: „Spende für dieses Projekt damit wir gemeinsam ein Problem lösen“, oder „Wir veräußern ein Zertifikat für den erzielten Impact, es gehört jetzt allein dir“. Solange da eindeutig differenziert wird und klar wird, dass es nur eine Spende ohne Gegenwert ist, stimme ich zu.

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