Mali: Sanktionen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas)

Hallo Zusammen!

Laut meinen Informationen hat sich das Militärregime in Mali (trotz vorheriger Zusage) geweigert, heuer Wahlen abzuhalten und will das erst in fünf Jahren machen.

Die daraufhin verhängten Sanktionen der Nachbarländer in der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft scheinen ziemlich hart zu sein. Siehe Zitat aus einem Artikel in der Zeitschrift Der Standard:

[…] verhängten am Sonntagabend einen umfassenden Handels- und Finanzboykott […]. Die Grenzen und Flugverbindungen nach Mali wurden außer für lebenswichtige Güter und Medikamente geschlossen beziehungsweise ausgesetzt, die diplomatischen Beziehungen auf Eis gelegt. Außerdem soll Malis Zugriff zu den Finanzmärkten der Region gestoppt und seine Einlagen in der westafrikanischen Währungsunion Uemoa sollen eingefroren werden.

Ich vermute, das trifft auch Africa GreenTec („umfassender Handels- und Finanzboykott“)? Oder auch nicht?
Aber immerhin das Aus- und Einreisen scheint nicht mehr so leicht möglich zu sein?

Grüße
Hermann

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Hallo Hermann,

danke für deinen Beitrag. Deine Informationen sind richtig. Wir sind natürlich als gesamtes Team traurig, dass dieses wunderbare Land erneut durch eine schwere Zeit geht. Es ist eine komplexe Situation mit vielerlei Interessen von verschiedensten Ländern.
Die erste und für uns wichtigste Information ist, dass es all unseren Mitarbeitern gut geht und auch unsere Anlagen nicht von den politischen Vorkommnissen betroffen sind. Es ist nicht davon auszugehen, dass unsere Serviceleistungen in den Standorten eingeschränkt werden müssen. Die Vergangenheit hat bereits mehrmals gezeigt, dass unser dezentraler Ansatz sich in Krisensituationen auszeichnet. Die Sonne scheint weiter und unser Strom fließt. Zurzeit können wir auch davon ausgehen, dass sich die Sicherheitslage unserer lokalen Mitarbeiter nicht zu sehr verschlechtert hat. Aus- und Einreisen sind vorübergehend stark eingeschränkt und auch der Güteraustausch davon betroffen. Gespräche mit unseren Mitarbeitern vor Ort zeigen, dass viele Menschen positiv gestimmt sind, dass sich die Lage schneller als erwartet entspannen wird. Das aktuelle Militärregime zeigt Bereitschaft zu Verhandlungen. Zurzeit gehen wir also noch davon aus, dass es nicht zu starken Verzögerungen in den geplanten Projekten kommt.

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Hallo Herrmann,

Vielen Dank für den Beitrag und die Informativen Sätze.

Derzeit befinde ich mich in Bamako und arbeite sehr eng mit unserer Tochter Gesellschaft vor Ort.

Die Situation im Land ist weiterhin normal, wir leben unseren Alltag ganz friedlich und entspannt weiter, unsere Arbeit hier ist nicht direkt betroffen. Wo sich die Sanktionen und unsere Arbeit sich begegnen, ist natürlich an den Grenzen, da wir unser Material schlecht ins Land bekommen. Aber das betrifft alle Firmen, die sich in Mali befinden. Lebenswichtige Güter kommen weiterhin reibungslos ins Land rein (Zucker, Reis, …).

Das Regime wird weiterhin von der Bevölkerung unterstützt und diese leistet vom militärischen Aspekt eine gute Arbeit, wenn man den Infos glaubt.

Die Erfahrung zeigt, dass Mali zwar abhängig von den Ländern der ECOWAS ist, aber diese genauso von Mali abhängen. Erste Auswirkungen zeigen sich an den verschiedenen Häfen in Senegal und Cote d’Ivoire, die schlussendlich der malische Markt am Leben hält.

Das Regime ist weiterhin offen für Gespräche und wir hoffen, dass es an der Stelle bald zu einer Übereinkunft zwischen den Bruderländern kommt.

Mit vielen Grüßen aus Bamako,
Tejan Keita

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Hallo Tejan,

ich danke dir für deine überaus interessanten Informationen direkt aus Mali!

Es freut mich, dass ihr trotz Allem friedlich und entspannt arbeiten könnt.

Gerade vor Kurzem habe ich in einer hiesigen Zeitung einen Artikel zur Situation in Westafrika gelesen:

Aus dem was du schreibst lese ich heraus, dass diese Analyse nicht ganz falsch ist. Falls du Zeit hast sie zu lesen, wäre ich sehr an deiner Meinung dazu interessiert!

Viele Grüße aus Innsbruck,
Hermann

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Hallo Hermann,

Ich kann diesem Artikel nur zustimmen und bestätigen, dass ausländische Hilfen/Pläne/… und weiteres hier nichts lösen können. Das ist uns Afrikanern schon immer klar und wurde auch öfters gesagt, jetzt wird es nur noch klarer mit offensichtlichen Gründen und Auswirkungen der etlichen Versuche.

Damit es eine Demokratie geben kann, muss ein Land erstmal frei sein und für sich selbst bestimmen können, dieser Prozess im Kontext der verschiedenen Länder muss durch Abbruch von externem Einfluss und Vorgaben erfolgen, insbesondere von alten Kolonialländern.

Ein Punkt und für Ihr Interesse, erkundigen sie sich gern über die „Manden Charta“ (Manden-Charta – Wikipedia).
Diese Charter ist eine der ersten „Menschen Rechte Charter“, die erstellt wurde. Das würde bedeuten, dass es hier vor Ort, schon lang vor der Westlichen Demokratie, einen gewissen Wille und Verantwortung für Freiheit und Struktur gibt. Vielleicht ist die Demokratie wie Sie weltweit bekannt ist und in der Form für die Regionen nicht geeignet, diese Entscheidung wird sich noch ergeben und kann nur von der betroffenen Bevölkerung getroffen werden.

Ursprung aus Libyen: Das ist eine Aussage die zu 100 % stimmt, denn wie haben sich bewaffnete Gruppen im Norden Malis zusammen gefunden? Gibt es überhaupt eine Begründung zum Einsatz der französischen Truppen in Libyen? Die Aktion wurde, meines Wissen, nie wirklich begründet.

Viele Grüße,
Tejan Keita

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Hallo Tejan und Hermann,

großenteils stimme ich dem Artikel im Standard und Tejan’s Einschätzung zu, und ich bin auch dankbar für den Hinweis auf die Manden-Charta, auch Charte de Kurukan Fuga, 1236 vom großen Herrscher Soundiata Keïta ausgerufen und 2009 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Falls Ihr Euch dafür interessiert - und der Text ist unglaublich interessant (die FR titelte mal „Kein Mensch soll Sklave sein“ - das steht im Eid von Mandén, dem Prolog der Charta), dann:
Der Wiki-Hinweis (dt) ist etwas kurz, hier könnt Ihr mehr zur Manden-Charta finden: DIE KULTUR MUSS MAN SICH EROBERN: KURUKAN FUGA – La culture ne s’hérite pas, elle se conquiert - aus meinem bilingualen Blog MALI-INFORMATIONEN.

Einen Einwand habe ich jedoch. Johannes Dieterich schreibt in seiner Analyse: "…viele Malier … trauen den Soldaten mehr zu als den aus Europa aufgepäppelten Sahnehäubchen (er meint die schwächlichen, korrupten politischen Eliten). Ihre Hoffnung trügt vermutlich, denn die Offiziere haben ebenfalls keinen Plan, wie sie den Miseren in ihren Ländern begegnen sollen."
Die Übergangsregierung von Mali unter dem Colonel Assimi Goïta hat sehr wohl einen Plan, und dessen Grundlagen waren die im Dezember verwirklichten „Assises Nationales de Réfondation“ (Nationale Versammlungen zur Neugründung - des Staates). Jahrelang versprochen, aber nie in dieser Form dezentral aufgezogen, und dann auch noch fließen deren Diskussionsergebnisse / Empfehlungen in die Politik ein. Ja, die Zeit, die sich die aktuelle Regierung lassen sollte bis zu den nächsten Wahlen - sechs Monate bis 5 Jahre - das stammt aus de Assises Nationales. Und dafür, dass man nicht in zwei Wochen (27.02.) Wahlen veranstalten kann, gibt es mehrere Gründe. Hoffen wir, dass schnell ein Kompromiss diskutiert wird, damit die unsinnigen, von Frankreich stark unterstützten Sanktionen aufgehoben werden.

In diesem Sinne herzliche Grüße,
aramata

P.S. Tejan, wer sind eigentlich les nyaras (Artikel 13 der Charta)?
Bisher habe ich noch keine deutsche Übersetzung der Carta gefunden (oder gemacht) :flushed: