Landwirtschaftliches Ausbildungszentrum Siby (Frage)

Hab nix dazu gefunden - Wisst ihr (AGT) möglicherweise mehr darüber?

LSA Architekten und Bauatelier Berlin entwickeln über alle Leistungsphasen hinweg (inkl. Ausführungsplanung und Bauleitung) ein größeres landwirtschaftliches Ausbildungszentrum (2500m² Raumfläche) in Siby in direkter Nachbarschaft zur AGT ImpactSite Dalakana.

Dort entsteht auf einem fünf Hektar großen Gelände der betriebliche Teil des Zentrums bestehend aus einer Farm mit Gärten, Feldern und Stallungen sowie einer Anlage zur kleingewerblichen Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte der Region.

Die Farm soll praktisch demonstrieren, wie sich die Bodenfruchtbarkeit verbessern und die Produktion dadurch und durch den Einsatz besseren Saatguts steigern lässt.

Fertigstellungstermin: März 2022, aktuell dürfte das Projekt noch in der Entwurfsplanung sein.
Technischer Partner ist die Yandalux Solar GmBh aus Hamburg.

Die Info habe ich von einem Kontakt aus Mali:

https://www.lsa-architekten.de/projekte/kalassa/

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Hi, ich frag hier im Namen von Stephan Wullschleger. Stephan ist ein auf Milchverarbeitung spezialisierter Lebensmittel – Ingenieur und hat einst im Rahmen seiner Promovierung angepasste Joghurt – Bakterienkulturen für den Kuhmilchtyp in Mali entwickelt.

Bei Siby unterstützt er über seinen Verein Pro Milch Mali seit vielen Jahren die von Ihm gegründete Molkerei Djom Kossam. Diese wurde mit Höhen und Tiefen wieder aufgebaut und weiter ausgebaut. Inzwischen gibt es eine Hand voll ausreichend ausgebildeter Mitarbeiter. Über Spenden des Vereins werden größere Betriebsanschaffungen unterstützt. Allerdings muss die Molkerei auf wirtschaftlich eigenen Füßen stehen, um weiterhin bestehen und wachsen zu können.

https://www.promilchmali.ch/

Die Sorge von Stephan ist nun, dass dieses neue landwirtschaftliche Ausbildungszentrum in Siby durch subventionierten Einkauf die Milchpreise (wieder) in der Gegend soweit erhöhen könnte, dass die eigene Molkerei nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann.

Er hat das schon einmal erlebt: Eine französische NGO hatte sich im weiteren Umkreis von Djoliba niedergelassen und den Bauern der Region höhere, subventionierte Milchpreise bezahlt. Diese Milch wurde dann in Bamako verkauft. Mit den NGO-Einkaufspreisen konnte Djom Kossam, aber auch weitere lokale gewerbliche Abnehmer, nicht mithalten; viele haben aufgegeben.

Ein paar Jahre später war das NGO-Projekt zu Ende; zu spät für die regionale Milchwirtschaft. Den Bauern ist der größte Abnehmer abhanden gekommen, sie hatten im Anschluss zu wenig Milchabsatz und ihrerseits deutliche wirtschaftliche Einbußen mit langfristig negativen Auswirkungen auf die Milchproduktion.

Weiß jemand was (jenseits deren Homepage) über das obige Projekt? Wollen die sich möglicherweise vor Ort vernetzen bzw. kooperieren? Kennt ihr durch die örtliche Nähe von AGT vielleicht eine Kontaktperson, die ein guter Ansprechpartner sein könnte?

Stephan muss sich auf Basis seiner Erfahrungen da jetzt schon Gedanken machen. Es hat unter Umständen wenig Sinn, weiter am Aufbau der Molkerei zu arbeiten, wenn absehbar ist, dass diese in 1-2 Jahren einen nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführten, im Einkauf konkurrierenden Milchverarbeitungsbetrieb in direkter Nachbarschaft hat.

Hallo Alexander,

eine spannende Geschichte. Deine Schilderungen zeigen leider ganze genau das auf, was auch wir an der klassischen Entwicklungshilfe kritisch sehen: Eine Organisation kommt ins Land, verändert die örtlichen Strukturen und geht dann nach einem Jahr wieder weg und hinterlässt verbrannte Erde.

Zu dem Projekt in Mali kann dir am wahrscheinlichsten @Klimakrieger etwas sagen. Ich kenne keine der involvierten Personen oder Organisationen. Da Torsten gerade im Tschad ist, kann es etwas dauern, bis er den Beitrag sieht und etwas dazu schreibt. Ich hoffe, das passt für dich und Stephan.

Beste Grüße
Jörg

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Danke für Deine Antwort. Ja – da stimme ich Dir voll zu.

Stephan (sieh oben) hat bereits versucht Kontakt aufzunehmen, allerdings ohne Erfolg. Schwer verständlich, dass auch heute noch solche im regionalen Bezug großen Projekte aufgezogen werden, ohne die örtlichen Gegebenheiten mit-einzubeziehen bzw. darauf Rücksicht zu nehmen. Zumindest hat es diesen Anschein.

Es gab seitens der Projektverantwortlichen wohl keine Kontaktaufnahme mit Djom Kossam (aus Siby!), auch die anderen Gewerbetreibenden vor Ort scheinen laut der Aussagen der Molkerei – Mitarbeiter nix darüber zu wissen.

So wie es aussieht wurde in Siby das oben gezeigte Bauschild in die Erde gepflockt, ohne dass wesentliche Teile der örtlichen Bevölkerung darüber informiert waren. Sehr seltsames Vorgehen, sofern diese Aussagen zutreffen!

Vielleicht kann ja Torsten was dazu sagen…. Es eilt nicht. Grüße

Zur Info: Djom Kossam bzw. uns ist es nun gelungen, Kontakt zu den Entscheidungsträgern von CAAS herzustellen. Demnächst treffen sich die lokalen Mitarbeiter, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu besprechen. Sieht so aus, das hier was Positives entsteht. lg

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