Investmentkapital von den BigFive annehmen? #BigOil

Als Klimaschutzaktivist kämpfe ich seit Jahren gegen Unternehmen, die unseren Planeten zerstören. Ich habe oft gegen die „BigFive“ demonstriert. Jetzt stehen wir als Sozialunternehmer vor der Frage, sollen wir Investitionskapital von einem Konzern annehmen, der ggfs. mitverantwortlich ist für den Klimawandel?

Klimaschäden, Divestment, Fridays for Future – der Druck auf die Ölkonzerne, sich neu zu erfinden, war schon vor der Coronakrise hoch. Seit dem jüngsten Preis-Crash ist aber klar: Es muss viel schneller gehen als gedacht. BP z.B. reagiert mit einem drastischen Umbauprogramm.

Wir brauchen Kapital brauchen um zu skalieren und mehr positiven Impact zu erzielen. Unsere aktuelle Finanzierungsrunde liegt bei 5 Mio. € Eigenkapital und 14 Mio. Fremdkapital für die nächsten 3 Jahre, davon haben wir bisher 1.3 Mio. € via Crowdinvesting erreicht.

Was ist eure Meinung/ euer Rat?

An dem aktuellen Portfolio z.B. von Shell Ventures kann man gut sehen, wie die Vision von Shell, größter Energieversorger der Welt zu werden verfolgt wird.

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Hallo Torsten,
schön, dass Du uns bei der Entscheidungsfindung miteinbeziehst!
Ich sehe die Sache recht nüchtern: Wenn Geld angenommen wird, kannst Du Dir sicher sein, dass es gut und höchst effektiv in Deinem Sinne eingesetzt wird.
Wenn es nicht angenommen wird, wird es irgendwo anders hin fließen, wo es u. U. Sachen anrichtet mit denen Du ganz und gar nicht einverstanden bist.
Also ich plädiere klar fürs Annehmen auch wenn damit ein Greenwashing betrieben wird.

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Hallo zusammen,
wir sind uns sicherlich einig, dass die Finanzierung solcher Projekte höchst diffizil Ist und man auf größere Investoren angewiesen ist.

Allerdings finde ich es auf den ersten und zweiten Blick höchst befremdlich auf Geld zu setzen, dass ein Unternehmen wie Shell verdient, indem es Existenzen aufs Spiel setzt/zerstört… um auf der anderen Seite Existenzen aufzubauen. Kann man Green Washing etwa gut heißen?
Für mich bleibt da ein Widerspruch, den ich nicht so einfach beiseitelegen möchte wie mein Vorredner.

Sollte bei der Finanzierung nicht zumindest ein Mindestmaß der ESG-Kriterien gewahrt werden?

Grüße Michael

Selbst wenn das Geld schmutzig sein sollte, so ist es mir lieber dieses „Abwasser“ fließt in eine hocheffiziente Kläranlage und wird zum Hoffnungsquell als dass es nur oberflächlich gereinigt wird oder gar in dunkle Kanäle fließt.
Außerdem kann der Kontakt / Dialog mit dem Wasserspender auch neue Chancen / Einsichten eröffnen.

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Hallo zusammen,

vielleicht sollte man an dieses Thema eher pragmatisch heran gehen. Geld an sich ist ja weder gut noch böse, dreckig oder sauber. Es ist Mittel zum Zweck. Und das braucht man nun mal, wenn man Projekte umsetzen möchte. Und dann ist es doch besser, dass Geld fließt in nachhaltige Projekte, die den Menschen vor Ort spürbare Verbesserungen bringen.
Die Ölkonzerne sind jetzt nicht meine Freunde, doch sollte man ihnen nicht die Tür vor der Nase zuschlagen. Für Hochmut haben wir keine Zeit. Man sollte sich überlegen, über welche Modelle eine Zusammenarbeit denkbar wäre. Klima- und Umweltschutz geht uns ALLE an…gerade auch den Ölkonzern.

Liebe Grüße
Ramona Jänicke

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Hallo zusammen,

sicherlich ist, wie von einigen bereits beschrieben, Kapital Mittel zum Zweck und es ist auf jeden Fall positiv, wenn es in sinnvolle Projekte fließt. Ich finde es auch gut, dass sich Ölkonzerne wandeln wollen und sich langfristig andere Geschäftsfelder suchen (müssen).

Was die Finanzierung von Africa GreenTec angeht, so sehe ich allerdings noch einen anderen Punkt, der aus meiner Sicht hier eine ganz wesentliche Rolle spielt. Ich gehe davon aus, dass ein (Öl-)konzern als Investor (im Gegensatz zu einem Crowdinvestor der über ein Nachrangdarlehen keine Entscheidungen im Unternehmen beeinflussen kein), ein Interesse daran haben wird, hier stärker eingebunden zu werden und teilweise mit entscheiden möchte. In welcher Art und Weise sei dabei dahingestellt. Die Interessen werden dabei vermutlich insbesondere gewinnorientiert sein. Das hat aus meiner Sicht auch wenig mit Green Washing zu tun.

Vor diesem Hintergrund würde ich es daher bevorzugen, wenn es Africa GreenTec gelingen würde, das benötigte Kapital über das Crowdinvestment einzusammeln, um entsprechend wachsen zu können.

Es stellt sich hier jedoch die Frage, wie es gelingen könnte, die dafür noch notwendigen 3,7 Mio € in den kommenden 3 Monaten einzusammeln.

Bisher haben sich ca. 600 Investor*innen gefunden. Diese Anzahl müsste massiv erhöht werden.

Ich weiß nicht wie, aber der Nachhaltigkeitsbank „tomorrow“, die zu diesem Zeitpunkt ca. 40.000 Kunden hatte und noch wenig bekannt sein dürfte, ist es als Startup im Herbst gelungen, über ein Crowdinvestment innerhalb von 5 Stunden 3.000.000 € zu erhalten.

Auch bei Crowdinvestments in Windparks und PV-Anlagen auf der Plattform WiWin sind häufig schon nach kurzer Zeit die Fundinglimits erreicht.

An mangelnder Präsenz in der Öffentlichkeit kann es bei Africe GreenTec eigentlich nicht liegen. Hier ist Africa GreenTec ja schon sehr aktiv.

Ich denke, um dies zu diskutieren und Ideen zu entwickeln, wäre ein eigener Thread sinnvoll.

Viele Grüße

Christoph

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Vielleicht macht es auch Sinn, wie von Julian im Mai 2020 im Rahmen des Beitrags: " Habt Ihr mal über einen Micro Loan Fund nachgedacht?
mit Oikocredit in Kontakt zu treten. Entweder direkt mit der Zentrale in Amersfoort (NL) wo die eigentlichen Investmententscheidungen getroffen werden oder mit dem örtlichen Regionalverband in Frankfurt a. M., die vielleicht einen Kontakt vermitteln können.

Geld selber mag neutral sein, aber die Geldgeber sind es nie. Man begibt sich in Abhängigkeiten. Natürlich kommt es auf die Verträge an. Aber so manches StartUp hat seine Existenz auf diese Weise verkauft und wurde am Ende in ein Unternehmen eingegliedert, dessen Werte völlig andere sind.
Ich würde deshalb nach anderen Geldgebern suchen. Wie sieht es mit der Umweltbank in Nürnberg aus? Wurden die schon gefragt? Ich halte auch den Vorschlag mit Oikocredit für sinnvoll. Und vielleicht muss die Werbetrommel doch noch kräftiger gerührt werden?

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Noch ein Hinweis: Die Gemeinwohl-Ökonomie hat in ihrem Handbuch in den Rubriken B1-B2 interessante Kriterien zur ethischen und nachhaltigen Unternehmensfinanzierung zusammengestellt:
https://web.ecogood.org/media/filer_public/73/da/73dab961-6125-4f69-bf7a-3c8613a90739/gwoe_arbeitsbuch_5_0_vollbilanz.pdf

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So von Torsten gewünscht und Oikocredit noch nicht bekannt ist, könnte ich den Kontakt zu Hr. Bäumler herstellen, der aktuell die Geschäftsführung des in Frankfurt ansässigen Regionalverbands innehat und gute Kontakt zu Oikocredit International in NL hat.
Aber eigentlich bedarf es da meiner Hilfe nicht.

‚Geld stinkt nicht‘ haben die alten Römer gesagt, aber vielleicht, wer oder was hinter dem Geld steht. Ich sehe auch die Gefahr, dass ein Großinvestor aus der alten fossilen Energiewirtschaft Einfluss auf die Invetitionsentscheidungen nehmen wird. Aktiengesellschaften entscheiden nicht nach sozialen, sondern nur nach Ertragskriterien.
Ich wäre bereit nochmal zu investieren, vielleicht andere Investoren auch. Wenn jeder noch einmal soviel investieren würde wie bisher und noch einen weiteren Investor motivieren könnte, wäre viel gewonnen.

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Für mich sind die alles entscheidenden Fragen:

  • Welche Interessen stehen dahinter und ist das wirklich transparent?
  • Stimmen die Ziele überein?
  • Welche Einflussmöglichkeiten ergeben sich für einen großen Investor daraus?
  • Wie kann man sicherstellen, dass AGT hier nicht missbraucht oder geschluckt wird? Oder dass ganz wichtige Prinzipien nach und nach über Bord geworfen werden?
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Also ich plädiere klar fürs Annehmen auch wenn damit ein Greenwashing betrieben wird.

Danke @98x ein klares Statement, aber verraten wir damit nicht unsere eigene Gründungsgeschichte. Wir haben bis heute über 2.000 Crowdinvestoren für uns gewinnen können und 1.3 Mio. Fans verfolgen uns in den sozialen Medien, auch und weil wir uns konsequent für den Klimaschutz und Menschenrechte einsetzen.

Wie glaubwürdig sind wir danach noch, wenn wir Geld annehmen von denjenigen die den Klimawandel mit verursacht haben und die bis heute für die größten Umweltverbrechen verantwortlich sind, auch und insbesondere in Afrika.

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Lieber @rhoewler

das sind gute Fragen, nicht alle sind zum jetzigen Zeitpunkt schon zu beantworten

Die Konzerne wollen Einfluss und Marktzugänge und investieren strategisch in den Energiemarkt (der Zukunft)

Die Unternehmensziele - ja
Meine persönlichen Ziele - nein

Im ersten Schritt vermutlich noch nicht soviele, bei weiterem Wachstum kann so ein Konzern natürlich schlicht durch seine Finanzmacht den Einfluss ausbauen, in dem er z.B. Altgesellschafter die Anteile abkauft und so mehr Einfluss gewinnt. Das ist nicht zu verhindern.

Wie zuvor beantwortet. Später hat jeder einen „Preis“ und auch unsere ersten Investoren, die jetzt bereits einen signifikanten Teil des Unternehmens besitzen könnten irgendwann ihre Anteile veräußern.

Lieber Christoph, das war auch unser Wunsch, deshalb emittieren wir ja unsere komplette equity - Runde über Crowdinvesting (Fundingziel 5 mio. €).

Wir waren bei der Konzipierung der Kampagne im September 2019 auch sehr zuversichtlich das Fundingziel zu erreichen. Wir haben mit der ersten Corona-Welle gestartet und sind sehr stolz auf die über 600 gewonnenen Partner, aber wir brauchen das Kapital um unsere Projektfinanzierungen mit Eigenkapital zu unterlegen. Die eigentliche Finanzierungsrunde ist ja in mehreren Schritten 50, 100 Mio. €. Das Eigenkapital nutzen wir um unsere Mitarbeiter und Produkte auszubauen und die Tochtergesellschaften in den Projektländern vorzufinanzieren.

Die Projektfinanzierungen sind voraussichtlich auch nicht das Problem. Allerdings haben wir in Deutschland auch bei den von dir genannten Institutionen die Erfahrung gemacht, dass man hier viel zu viel Angst vor den Regionen in denen wir aktiv sind hat, sprich unsere Tätigkeit ist den allermeisten „passenden“ Investoren und Anlegern viel zu risikoreich.

Und ja das ist es. Es ist ein hohes Risiko in Africa GreenTec zu investieren, denn wir können scheitern, denn wir arbeiten in Regionen wo selbst Staaten und Regierungen längst raus sind. Wir sind in vielen Gebieten die einzige private Firma die dort arbeitet.

Aber genau das ist auch unser großer USP/ Vorteil, denn wir arbeiten für viele Jahre und Jahrzehnte MIT den Menschen, die wollen nicht alle nach Europa migrieren, die wollen schlicht ihr Leben in die Hand nehmen und ihren Acker bestellen im wahrsten Sinne des Wortes. Dazu brauchen sie eine gute, verlässliche und günstige Stromquelle und Wasser. Das liefern wir.

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Lieber @98x

ich würde dich bitten uns mal bei Oikokredit (vermutlich bist du Kunde) vorzustellen und anschließend deine Erfahrung mit der Community zu teilen.

Wir sind bei allen diesen Institutionen schon gewesen. All diesen Finanzierern ist das Risiko in Ländern der Sahelzone zu groß.

Was sagen denn die Mitarbeiter (und Kunden) dazu?
Ist der Finanzbedarf so dringend oder so hoch, dass man seine Unabhängigkeit riskiert?

Bei Bettervest schon einmal angefragt? https://www.bettervest.com/de/
Umweltfinanz oder GLS Bank fallen mir hier noch so spontan ein.
Wobei Bettervest hat sich auf Crowd Funding im Bereich Umwelt spezialisiert. Das müsste eigentlich gut passen.
Bei Großinvestoren aus der Öl-, Gas-, Kohle-, oder Nuklear- Branche hätte ich wirklich große Bauchschmerzen, auch wenn es noch so verlockend aussieht. Wenn Versicherungskonzerne, oder Pensionsfonds anfragen, sieht das in meinen Augen schon wieder anders aus. Die müssen sehen, dass die ihre Invests möglichst schnell und geräuschlos umschichten (bevor es alle wollen bzw müssen :wink: ).

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Hallo zusammen,

ich habe mal einen neuen Thread angelegt, um dort zu diskutieren, wie sich mehr Investoren für das Crowdinvestment finden lassen könnten und welche anderen Ideen es für die Finanzierung geben könnte, um in dieser Diskussion beim ursprünglichen Thema bleiben zu können.

Crowdinvestment - wie lassen sich mehr Investoren finden – weitere Ideen zur Finanzierung

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Hallo Torsten, kann das gerne probieren. Wann und mit wem gab es denn schon einen Kontakt mit Oikocredit?